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Kapitel 1

 

Hier stand ich nun. Auf dem Dach eines alten Fabrikgebäudes im Industriegebiet von Magdeburg. Es war ca. 1.00 Uhr nachts, denke ich. Ich wusste es nicht genau. Ich wusste nur, dass ich um 24.00 Uhr aus dem Haus gegangen war. Ich stand am Rand des Daches und schaute nach unten. Hier war alles leer und ruhig. Zum Glück. Langsam kletterte ich auf den Rand des Daches. Mir kam ein Teil des Textes von Springt nicht in den Kopf >Du träumst von dem Ende um noch mal von vorn anzufangen<. Genauso ging es mir im Moment. Ich schaute nach unten, es war wirklich tief. Aber dann würde ich wenigstens schnell sterben. Die ersten Stummen Tränen bahnten sich den Weg über meine Wangen. Ich atmete einmal tief durch und ging noch einen kleinen Schritt nach vorne, stand aber trotzdem noch fest auf dem „Boden“. Meine Gedanken kreisten um meine Mutter und meine Schwester. Wegen ihnen stand ich hier. Noch einmal atmete ich tief ein und wollte schon für den letzten Schritt ansetzen, als mich eine männliche Stimme davon abhielt.

„Nicht springen.“, sagte die Person. Ich drehte meinen Kopf langsam nach rechts und sah in ein mir bekanntes Gesicht. Rechts neben mir, also nicht direkt neben mir, stand Gustav Schäfer. Der Schlagzeuger von Tokio Hotel. Das war mir im Moment ziemlich egal, obwohl TH meine Lieblingsband war. Ich drehte meinen Kopf wieder nach vorne und schloss meine Augen. „Hör auf mit dem Scheiß und komm da bitte runter. Das bringt doch nichts.“, sagte Gustav. „Du weißt doch gar nicht warum ich springen will!“, sagte ich mit Tränenerstickter Stimme. „Aber nichts kann so schlimm sein das man nicht mehr Leben will.“, meinte Gustav. Eigentlich hatte Gustav Recht aber ich antwortete nicht. „Nimm meine Hand und komm da wieder runter.“, bat mich Gustav jetzt schon richtig. Ich schaute nach rechts und sah, dass Gustav mir seine Hand entgegen streckte. Meine Hand machte sich selbstständig und griff nach der von Gustav. Ich drehte mich um und Gustav zog mich zu sich. Er legte seine Arme um mich und ich musste dadurch noch mehr weinen als die ganze Zeit schon. Ich hatte überhaupt keine Kraft mehr weshalb ich mich an Gustav festhielt. Trotzdem knickten meine Beine unter mir weg. „Woah.“, sagte Gustav, der mich gerade noch festhalten konnte. „Kannst du wieder einigermaßen stehen?“, fragte mich Gustav nach ein paar Minuten. Ich nickte. „Ok. Komm wir gehen.“, sagte er und stütze mich beim Laufen. Nach kurzer Zeit setzten wir uns auf eine Bank. „Hier zieh mal meine Jacke an. Du bist ja schon halb erfroren.“, meinte Gustav und gab mir seine Jacke. Ich hatte nur ein T-Shirt an und es war gerade mal Mitte März. Gustav telefonierte mit jemandem aber ich verstand nicht richtig mit wem. Als dann irgendwann ein Taxi vor uns hielt konnte ich mir schon denken wo Gustav angerufen hatte. Er half mir ins Taxi und setztes sich neben mich. „Wo fahren wir denn hin?“, fragte ich nachdem er dem Taxi-Fahrer eine Adresse gesagt hatte. „Wir fahren zu mir. Da kann ich auf dich aufpassen.“, antwortete Gustav und legte seinen Arm um mich. Nach ein paar Minuten schlief ich in Gustavs Armen ein.